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  • Jens Fischer Rodrian

Es gibt ein Leben vor dem Tod (Berlin, 20.5.2020)

Aktualisiert: 31. Juli 2020

Jeder Tag ist wie ein Sonntag meiner Kindheit, dem ich ausgesetzt war, hilflos, nie wirklich bereit.

Egal von welcher Seite man es betrachtet, egal welche Angst einen umnachtet, was jetzt passiert, ist fern von dem, was ich für möglich hielt.

Menschen dürfen nicht mehr selbst entscheiden, ob sie an Krankheiten oder Einsamkeit leiden, alles Handeln ist der Illusion von Sicherheit verschrieben.

Ein altbewährter Helfer kriecht aus seinem Loch,

die Angst, sie funktioniert immer noch, Angst macht taub, Angst macht gefügig.

Man weiß nicht alles über den Entzug der Mündigkeit , aber man ahnt schon, dass er die häßlichen Gesichter zeigt,

Denunziantentum ist wieder mal en vogue.

Wenn wir nicht funktionieren, werden die Pforten schliessen,

viele geben auf, Millionen Tränen werden fliessen, zu reissenden Flüssen aufbegehren und in Meeren enden.

Ein zweites mal, werden wir das nicht überstehen,

diesen Weg kann man nur einmal gehen, manch ungespielter Ton verstummt auf stillen Tasten.

Oft unbeachtet und seit viel zu langer Zeit erdulden Menschen anderer Länder schlimmstes Leid,

doch wenn ́s um uns geht, steht die Erde still. Die Angst läßt uns erstarren, bloß nicht dran denken,

dem Tod keinen Gedanken schenken, aber frei zu leben heißt das Tau zu kappen.

Demütig sein, selbstbestimmt bleiben, mal bescheiden, mal maßlos übertreiben. Nichts ist sicher, wenn man das Licht der Welt erblickt.

Wollen wir aus Angst vor dem Tod, das Leben verlernen? Wollen wir nicht mehr nach ihnen greifen, den unberührten Sternen?

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